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Genuss & Geschmackswelten

Kulinarische Vielfalt und echte Geheimtipps. Von lokalen Köstlichkeiten bis hin zu internationalen Geschmackserlebnissen.

Dennis Bohnecke zeigt den Teilnehmerinnen und Teilnehmern seines Teeseminars die feinen Zutaten ausgewählter Teesorten.
Neben dem Geschmack kommt es bei Tee auch auf den Geruch an. Denn der steigt als Erstes in die Nase.

Edle Blätter

Auf eine Tasse mit Dennis Bohnecke

Zwischen Umami, Jasminperlen, Drachenbrunnen und Darjeeling führt der Tee-Sommelier in seinem Seminar im Teestübchen am Ballhof durch die faszinierende Welt erlesener Sorten, überraschender Aromen und alter Traditionen.

Ein wenig wie bei einer Weinverkostung sieht es am Ballhof in der T-Kantine aus. In einer langen Reihe stehen die erlesenen Sorten. Nur, dass die Gläser kleine Schalen sind und Tee statt Alkohol ausgeschenkt wird. „Raritäten“ heißt das Teeseminar, zu dem Tee-Sommelier Dennis Bohnecke einlädt. Und tatsächlich: Wie beim Wein gibt es auch beim Tee ausgefallene Sorten – und für einige muss man auch tief in die Tasche greifen.

So gibt es Tee, der nur mit Fingerspitzen gepflückt wird. Bei manchen Sorten werden allein die oberen zwei Blätter und die Knospe der Pflanze verwendet. Der Geschmack hängt davon ab, wo der Tee unter welchen Bedingungen gewachsen ist, wann er gepflückt, wie getrocknet und weiterverarbeitet wird.

Zwölf Raritäten stellt Dennis Bohnecke vor. Der Gyokuro (29 Euro/100 g) zum Beispiel ist ein japanischer Tee, der durch seinem Umami-Geschmack nach Meeresalge auffällt. Die Teepflanze wird vor der Ernte abgedeckt. Dadurch wird mehr Chlorophyll gebildet, der Anteil an Koffein und Aminosäuren erhöht sich. „Er gilt als besonders gesund“, sagt der Tee-Sommelier. Den Drachenbrunnentee (29 Euro/100 g) mit seinen nussig-süßen Aromen hat im 18. Jahrhundert der chinesische Kaiser als den besten Tee Chinas gelobt. „Viele Blattknospen sind in dem Tee, sie werden mit den Blättern geröstet“, erklärt Bohnecke. Zu Perlen gerollt wird der Jasmin Dragon Phoenix Pearl Tea (29 Euro/100 g) gereicht. So bleibt im Tee der Jasminduft erhalten. Erst wenn im Teewasser die Kugel aufbricht, wird das Aroma freigesetzt. Auch bei bekannten Tees wie Darjeeling gibt es Unterschiede. Eine Rarität kommt aus Tumsong, dem „Garten der glücklichen Herzen“. Sein Preis: 100 Gramm kosten 34 Euro.

Die zwei Stunden vergehen wie im Flug. Und sie machen Lust auf mehr. Immerhin gibt es weltweit mehr als 3000 Sorten, da kann man noch viel probieren, sagt Dennis Bohnecke und zitiert ein chinesisches Sprichwort: „Man kann die Sterne am Himmel zählen, aber man kann nicht jedem Tee einen Namen geben.“ Die zweistündigen Teeseminare kosten pro Person 50 Euro.

5 Fragen an den Tee-Sommelier

Wie lange sollte man Tee ziehen lassen?
Das hängt ganz von der Sorte ab. Grüntee kann man zwei bis drei Minuten ziehen lassen, schwarzen Tee bis vier Minuten und einen Kräuteraufguss bis zu fünf Minuten. Wie heiß man einen Tee übergießt, hängt ebenfalls von der Sorte ab: Grüntee bis maximal 80 Grad Celsius, schwarzen Tee bis 95 Grad. Bei Früchtetee und Kräuter sind auch 100 Grad in Ordnung.

Wie lange ist Tee haltbar?
Die Haltbarkeit ist abhängig von der Teesorte. Es gibt Grüntee, der Jahrzehnte haltbar ist. Unser Tee ist bis zu einem Jahr haltbar. Mein Tipp: Den Tee in dem Zellophanbeutel lassen, nach dem Gebrauch den Beutel gut versiegeln oder verschließen und zusätzlich in eine luftdichte, dunkle Teedose tun.

Welcher Tee ist der ideale Einsteigertee, mit dem man auch Nichtteetrinkerinnen und Nichtteetrinker begeistert?
Mein persönlicher Favorit ist der Grüne Nebeltee. Das ist ein klarer, weicher Tee aus dem Hochgebirge. Mild, sanft und grün. Ein Tee, der im Nebel der Berge in China wächst und per Hand gepflückt wird. Er hat keine Tannine, also keine Bitterstoffe.

Wie viel Tee sollte man pro Glas berechnen?
Auch das ist subjektiv – wie intensiv man den Tee am liebsten mag. In der Regel zwei Gramm pro 100 Milliliter Wasser. Ein spezieller Teelöffel hilft bei der Portionierung.

Gibt es auch gute Tees im Beutel?
Das Problem bei den meisten Beuteltees ist, dass sich die Teeblätter nicht gut entfalten können. Ich empfehle daher Tees in Pyramidenbeuteln. Außerdem sollte man darauf achten, dass nicht minderwertiger „Teestaub“ verarbeitet wird, sondern ganze Teeblätter über 1,5 Millimeter. Er verliert schneller sein Aroma und hat einen weniger intensiven Geschmack.


Vom Zufall zum Kultgetränk
Es ist ein Getränk der Superlative: Tee. Seine Geschichte reicht der Überlieferung nach knapp 5000 Jahre zurück, als dem chinesischen Kaiser Shennong zufällig Teeblätter ins heiße Trinkwasser fielen. Buddhistische Mönche brachten den Tee nach Japan. Und nicht etwa die Briten führten ihn in Europa ein, sondern 1610 die Holländer. Besonders ein Völkchen im Norden Deutschlands hat sich daraufhin so richtig in den Tee verliebt: Im Schnitt trinkt jeder Ostfriese 300 Liter Tee pro Jahr – zumindest sagt man das. Das ist Weltrekord!

Gute Küche

Fine Dining mit Haltung

Zwischen Butterbrot und Garum: Wie das Restaurant RÜPEL in Hannover pflanzenbasierte Küche neu denkt.

 

Fein angerichtet und attraktiv gestaltet: die Gerichte im RÜPEL.

Wertschätzung beginnt nicht erst auf dem Teller – und endet nicht mit dem letzten Bissen. Im Restaurant RÜPEL in Hannover wird Gastronomie ganzheitlich gedacht: als Verantwortung gegenüber den Menschen, den Produkten, der Region.

Feines Essen, fermentierte Getränke, Butterbrot im Kiosk – und das alles ohne Fleisch, Fisch oder Ersatzprodukte. Was zunächst widersprüchlich klingt, ist gelebte Realität. Küchenchef Lennart Röbbel und Restaurantleiterin Lisa Dismer führen pflanzenbasierte Küche, Handwerk und Haltung zusammen, ohne zu belehren.

Das Restaurant RÜPEL wurde 2021 von Lennart Röbbel in Hannover gegründet – mit dem Ziel, die Möglichkeiten der regionalen, pflanzenbasierten Küche auf Fine-Dining-Niveau auszuloten. Die Küche ist saisonal, handwerklich geprägt und inspiriert von den besten Produkten aus der Umgebung.

Produkte wie Miso, Tempeh oder Garum werden selbst hergestellt, Gemüse fermentiert und damit haltbar gemacht. Der Gedanke dahinter: mit dem arbeiten, was da ist – und das so lecker und innovativ wie möglich.

Pumpkin Spiced Ramen – RÜPEL Style

Zutaten (für 4 Portionen)
Für die Brühe: 600 g Hokkaido-Kürbis (mit Schale, entkernt, grob gewürfelt), 1 Zwiebel, 3 Knoblauchzehen (davon 1 fermentiert, falls vorhanden), 15 g frischer Ingwer, 2 EL Rapsöl,
800 ml Gemüsebrühe, 1 Stück Kombu (ca. 5 × 5 cm), ½ Birne (geräuchert oder geröstet), 1 EL helle Miso-Paste, 1 EL Sojasoße, 1 TL Apfelessig, Salz, Pfeffer, etwas Muskat

Für das fermentierte Kürbispüree: 300 g Hokkaido-Kürbis (fein gewürfelt), 1 TL Salz, 1 TL Zucker. Alles vakuumieren oder in ein Glas füllen, 3–5 Tage bei Raumtemperatur fermentieren, dann fein mixen.

Toppings: 200 g Kräuterseitlinge (in Scheiben), 1 EL Rapsöl, 1 TL geröstetes Sesamöl, 1 EL Sojasoße, 1 reifer Pfirsich oder 2 EL fermentierte Chili-Pfirsich-Stücke, 2 EL Liebstöckelöl
(oder Petersilienöl), 4 EL knusprige Raps-Croutons oder Panko, 4 Portionen Ramen-Nudeln

Zubereitung
1. Kürbis rösten: Hokkaido, Zwiebel, Knoblauch und Ingwer mit Rapsöl mischen, bei 200 Grad circa 25 Minuten rösten, bis alles Farbe bekommt. 2. Brühe ansetzen: Geröstetes Gemüse in einen Topf geben, mit Brühe auffüllen, Kombu und Birne zugeben. 20 Minuten köcheln, Kombu entfernen. Miso, Sojasoße und Apfelessig einrühren, fein mixen und abschmecken. 3. Toppings vorbereiten: Kräuterseitlinge in Raps- und Sesamöl goldbraun braten, mit Sojasoße ablöschen. Pfirsich oder Chili-Pfirsich kurz glasieren. 4. Anrichten: Nudeln nach Packungsanweisung kochen, abgießen. Brühe erhitzen, 1 TL fermentiertes Kürbispüree einrühren. Nudeln in tiefe Schalen geben, Brühe angießen, mit Pilzen, Pfirsich, Raps-Croutons und einem Löffel Lieb-stöckelöl vollenden.

RÜPEL
Kötnerholzweg 30
30451 Hannover
www.ruepel.bar

Weinlese

WEIN ist mein ganzes HERZ

Von prickelnden Romanen über inspirierende Erzählungen bis zu spannenden Rezeptbüchern: Genussprofis öffnen für uns ihre Bücherregale – und schenken den perfekten Wein dazu ein.

VON MAIKE JACOBS

Bob Askourih, Al Dar, Königstraße 3

Sein Restaurant sieht aus wie aus 1001 Nacht. Seinem Buchtipp fehlt eine Null: „101 Essays, die dein Leben verändern werden“ von Brianna Wiests liest Bob Askourih, Chef vom syrischen Nobelrestaurant Al Dar, immer wieder mit Begeisterung: „In diesem Buch gibt es so viel zu entdecken und es macht hungrig auf weitere Ideen!“, sagt Askourih. Daher fällt seine Weinempfehlung auf einen leichteren Rotwein, der auch eine schöne Geschichte hat: „Ich trinke dazu einen Domaine de Rmeich. Der Wein kommt von einem kleinen Gut im Libanon, kurz vor der israelischen Grenze. Ein Freund von mir und sein Bruder betreiben es. Sie sind aus Deutschland in den Libanon zurückgekehrt und haben dort das Weingut aufgebaut. Sie gelten als Hoffnungsträger, die mit ihrer Arbeit den Traum leben, dass in der Region eines Tages Frieden herrscht und die Menschen die Freude am Wein verbindet.“

Verena Schindler, Casa Verde Lissabon, Helmkestraße 5b

„Gerade habe ich von einem Gast ein Buch geschenkt bekommen, das ich jetzt lese: Mario Vargas Llosa, ‚Das Grüne Haus‘“, erzählt Verena Schindler, Chefin vom Casa Verde Lissabon. „Der Titel passt perfekt zu unserem Namen: Casa Verde“, sagt sie und freut sich: „Ich habe auch schon etwas reingelesen und gleich den passenden Wein dazu gefunden.“ Das ist ganz klar ein Portugiese: „Ich empfehle einen Portwein, einen Tawny, zehn Jahre gereift, vom legendären, alten Weingut Van Zellers“, erzählt sie. „Der Wein mit seiner kräftigen, dunklen, sinnlichen Atmosphäre und leichter Bitterkeit ist intensiv und verführerisch, aber auch sehr bewegend – genau wie das Buch.“

Chris Czens, Elea, Lister Meile 51

Ein Buch zum Wein, ein Wein zum Buch – am besten hängt beides zusammen: „‚Crashkurs Wein‘ von Gerd Rindchen bietet eine geniale Einführung. Es ist gut geschrieben, schön illustriert und gibt einen wunderbaren Überblick von Aromarädern über Gläser bis hin zu Anbaugebieten“, empfiehlt Chris Czens, Weinexperte von Elea. Und dazu gibt es von ihm den Nottelunga vom Weingut La Pievuccia aus der Toskana. „100 Prozent ein Sangiovese, der mit seinen Aromen von dunklen Beeren, Nelken und leicht blumigen Noten begeistert. Perfekt, um sich an einem Abend durch das ganze Buch zu wühlen und dem Geschmack des Weines und der Kunst des Weinanbaus hinzugeben.“

Biagio Tropeano, Tropeano Di-Vino, Kleiner Hillen 4

Biagio Tropeano, der Chef vom italienischen Gourmetrestaurant Tropeano Di-Vino in Kirchrode, ist ein belesener Mann, der gern mehrere Bücher parallel liest. Aktuell beschäftigt er sich intensiv mit Brot. „50 Rezepte aus der ganzen Welt“ heißt übersetzt der Untertitel zu „Fare il Pane“ – Brot backen. Ein Standardwerk, das von der Bedeutung des Mehls bis zu Gärung und Knettechniken aufklärt. „Dazu trinke ich einen Chianti Classico Riserva di Castello di Querceto“, sagt der Sommelier. Aber da er sich nicht immer fortbilden kann, liest er noch einen echten Klassiker: Ephraim Kishons „Essen ist meine Lieblingsspeise“. „Das ist immer noch zum Totlachen“, sagt Tropeano. „Dazu trinke ich ein Rosé aus Primitivo von Produttori di Manduria.“ Das ist ein Wein, saftig und frisch, mit lebhafter Säure – genau so wie die Satiren von Kishon.

Dietmar Hagen, Schwanenburg, Schwanenburg 11

Ein Buch, das inspiriert und bestärkt, Gesundheit ganzheitlich zu denken. „Das ist privat ein großes Interessensgebiet von mir“, sagt Dietmar Hagen, der als Caterer mit „Essenszeit“ in Hannover die Kantinen revolutioniert hat und in der Schwanenburg ein Restaurant für Mittagstisch betreibt. „Strategien und Methoden für Fitness und Lebensbalance im Beruf“ von Matthias Lauterbach zeigt praxisnah, wie Bewegung, Ernährung, Entspannung und Sinnfindung im Alltag zusammenspielen. Dazu empfiehlt er einen roten Veltliner aus Fels am Wagram aus Niederösterreich. „Es ist eine Weißweintraube mit dunkelrosa Beeren, eine Sortenrarität am Wagram mit jahrhundertealter Tradition”, sagt Hagen. „Der Wein hat ein beerenblumiges Bouquet und viel Gehalt, eine schöne Fruchtigkeit im Abgang – ideal zum guten Buch.“

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